Bauen und Verkehr
Magistrat stand Rede und Antwort
Bruchköbel - Der Magistrat hatte am Dienstagabend zum Informationsabend rund um das geplante Baugebiet „Westlich der Fliederstraße“ geladen, und rund 70 Bürger sowie etwa 20 Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung waren in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen. Auch Verantwortliche aus dem Bauamt sowie Vertreter der Projektgesellschaft „Bouwfonds“ waren anwesend, um die Fragen der Bürger zu beantworten.
Der Erste Stadtrat Uwe Ringel erläuterte zunächst den bisherigen Ablauf des Planungsverfahrens. Das Baugebiet schliesst sich bekanntlich an das Gebiet „Im Rosenring“ an. Das neue Viertel soll über die Fliederstraße anfahrbar sein. Es sollen dort rund 35 Wohneinheiten entstehen, zumeist in der Gestalt von Doppelhaushälften. Lediglich die unmittelbar an einige Grundstücke des „Rosenring“ angrenzenden Parzellen werden mit freistehenden Einfamilienhäusern bebaut.
Die Vertreter von „Bouwfonds“, einer den holländischen Raiffeisen- und Volksbanken nahestehende Baufirma, stellten einige Konzepte vor, die unter eigener Regie im Raum Südhessen verwirklicht worden sind. Man betonte, dass eigene Projekte stets individuell geplant werden, also auch im neuen Baugebiet keine „Häuser von der Stange“ errichtet würden. Die Hausgruppen würden von sogenannten Wohnhöfen unterbrochen, auch wolle man den angrenzenden Kinderspielplatz aufwerten. Wenn das Projekt demnächst genehmigt werde, könnten die Bauarbeiten im Herbst starten.
Aus dem Publikum setzte es daraufhin zahlreiche kritische Fragen. Als hauptsächlicher Stein des Anstoßes wurde dabei immer wieder die Anschlußstraße thematisiert, die als verkehrsberuhigte Zone konzipiert ist. So wurde die Breite von lediglich 6,75 Meter moniert, wovon zwei Meter für einen Besucherparkplatz-Randstreifen vorgesehen sind und überdies kein Bürgersteig eingeplant sei, der den hier zuvor verlaufenden Schulweg ersetze.
Die Vertreter des Bauträgers betonten demgegenüber, dass die Einrichtung einer verkehrsberuhigten, gepflasterten Straße sich bereits in ähnlichen Wohngebieten bewährt habe, wofür es auch in Bruchköbel Beispiele gebe. Zur Entlastung der Parksituation sei außerdem für jede Wohneinheit die Einrichtung zweier Parkplätze vorgeschrieben, und als Wendemöglichkeit, etwa für einen Mülltransporter, sei überdies eine Wendestelle eingeplant.
Auf die Vorhaltung, dass für die neue Straße ein Teil der hier verlaufenden Hochzeitsallee weichen müsse, entgegnete Uwe Ringel, dass man bereits alle betroffenen „Besitzer“ eines Hochzeitsbaumes persönlich angesprochen habe. Am Ende hätten nur zwei Paare auf Weiterbestehen „ihres“ Baumes beharrt, alle anderen hätten sich mit einer Neuanpflanzung einverstanden erklärt.
Schon vor längerer Zeit hatten Bürger aus dem „Rosenring“ eine alternative Planung vorgelegt, die aber für den Projektträger, wie betont wurde, nicht in Frage gekommen sei. Die Planung der Anwohner stelle die Häuser gegenüber der Sonne ungünstig, auch wirke die Stellung der Häuser wie eine Sperre für die aus Westen einströmende Frischluft.
Mit Verwunderung wurde bei den Verantwortlichen die These eines Besuchers aufgenommen, der das Gebiet rund um die Fliederstraße als Überschwemmungsgebiet bezeichnete und mutmaßte, dass die berechnete Kanalisation, zu der auch ein 80 Kubikmeter-Rückhaltebecken als Sicherung gegen Starkregen gehört, zu knapp bemessen sei. Bauträger und Magistrat betonten, man gehe bei der Berechnung der benötigten Kanäle nach allgemein gültigen Regeln und Normen vor. Zur Absicherung gegenüber eventuellen Wasserstauproblemen würden außerdem in alle Häuser Zisternen und Rückstauventile eingebaut. Auch seien keine unfallgefährdeten Öltanks vorgesehen, weil die gesamte Siedlung mit Gas beheizt werden soll.
Bürgermeister Michael Roth wand sich gegen Ende der Veranstaltung gegen ein angeblich in Umlauf gesetztes Gerücht, die Bewohner im Gebiet Am Heinichenberg würden durch den zunehmenden Verkehr in Mitleidenschaft gezogen. Es sei insbesondere nicht geplant, die Zufahrtstrasse ins Baugebiet für Durchgangsverkehr zu öffnen.
Für ein weiteres Neubaugebiet, das im Anschluss an das jetzt geplante „Fliederstraße“ auf der „Langen Gwann“, dem Gelände zur Bahn hin, entwickelt werden soll und auch im Flächennutzungsplan dafür vorgesehen ist, gibt es noch keine Planung. Klar sei aber, so Roth, dass die Erschließung völlig neu entwickelt werden müsse. Die Zufahrt werde unabhängig vom derzeit in Rede stehenden Baugebiet zu entwickeln sein.
kewelforever - 2007/06/15 00:00
Der Magistrat der Stadt Bruchköbel möchte aus Anlaß der derzeitigen Diskussionen um das Baugebiet “Fliederstraße” allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern eine zusätzliche Möglichkeit geben, sich aus erster Hand über den Stand der Dinge zu informieren.
Dies erklärten Bürgermeister Michael Roth und Erster Stadtrat Uwe Ringel in einer Pressemitteilung. Für den Dienstag,12. Juni um 20.00 Uhr, ist daher im Stadtverordnetensitzungssaal eine Informationsveranstaltung angesetzt worden. Den Saal erreicht man über die Außentreppe des Rathaus-Seiteneingangs.
Vertreter des Magistrates und der Bauverwaltung sowie des Investors und der Planer werden anwesend sein, um die Grundzüge der Planung zu erläutern. “Die Bürgerinnen und Bürger haben so Gelegenheit, Fragen zu stellen und sachliche Aufklärung zu erhalten”, so der Magistrat in seiner Mitteilung.
In den letzten Wochen war um die Bebauung des an die Fliederstraße anliegenden Gebietes ein Streit zwischen Anwohnern und Magistrat entstanden. Von Seiten des Magistrates möchte man mit der öffentlichen Informationsveranstaltung, wie betont wird, “Desinformationen” und “Gerüchten” entgegenhalten, durch die unter den Anwohnern des kleinen Neubaugebietes Irritationen entstanden seien. So sei etwa behauptet worden, es seien im neuen Baugebiet keine öffentlichen Besucherparkplätze vorhanden, was nicht zutreffend sei.
kewelforever - 2007/05/29 19:32
Leserbrief von Jürgen Dick, veröff. im Hanauer Anzeiger vom 26. Mai 2007:
Dem Leserbrief von Herrn Tittmann aus Bruchköbel kann man folgende Aussage entnehmen: „Eine Bauplanung einem Investor aus monetären Gründen zu überlassen und damit die Gestaltungsform aus der Hand zu geben, kann nicht der Interessenlage der Bürger entsprechen“.
Diese Ansicht, die zu einstigen DDR-Zeiten bereits ihre beste Blüte erreicht und bekanntlich auch überschritten hatte, würde heutzutage viele Städte und Gemeinden um einen Gestaltungsspielraum ärmer machen. Richtig ist sie schon aus dem Grunde nicht, weil die Bauämter per Genehmigungsverfahren stets ein gewichtiges Wort mitreden, die Städte also mitnichten die Oberaufsicht über die „Gestaltungsform“ aus der Hand geben, wenn sie das Bauvorhaben eines Investors beaufsichtigen. Dem Investor geht es da nicht anders als jedem privaten Bauherrn, dessen Architekt seine Ideen mit dem Bauamt abzustimmen hat.
Am Beispiel der Stadt Bruchköbel lässt sich überdies zeigen, daß Kommunen aus der Überlassung von Baugrundstücken an Projektgesellschaften durchaus Vorteile ziehen können. Die Projektierung des Baugebietes „Im Peller“ durch einen solchen Investoren etwa funktionierte unter der Bedingung der kostenfreien Errichtung der Kindertagesstätte Mitte durch eben jenen Investor.
Hinzu kommt, daß das Baugebiet „Im Peller“ am Ostrand Bruchköbels zur optischen Aufwertung des Stadtrandes beigetragen hat. Vorher, von Erlensee her kommend, ist dort nicht viel mehr als eine Jägerzaunreihe zu sehen gewesen, die nicht wirklich einen Eindruck von „Stadtbild“ vermittelt hat - nunmehr fällt der Blick auf ein strukturiertes, modernes Ensemble, an dem bloß zu kritisieren wäre, daß man es mit den Fassadenfarben leider noch ein bisschen zu zaghaft gehalten hat.
Und auch wer sich noch an die früheren Zustände in der Bahnhofstrasse erinnert (man erinnere sich an die alte, jahrelang leerstehende „Massa“-Ruine), müsste eigentlich einsehen, daß neue Baugebiete, die viele Familien mit Kindern angezogen haben, dort eindeutig zur optischen Aufwertung beigetragen haben.
Und übrigens müsste nicht bloß Bruchköbels Bürgermeister Roth, sondern zum Beispiel auch dessen „großer Bruder“, der Hanauer Oberbürgermeister Herr Kaminsky, als „Gutsherr“ gegeiselt werden, jedenfalls, wenn man sich die Vorgehensweise vor Augen führt, die derzeit am Rande von Hanau zur Errichtung des Baugebietes „Coloneo“ führt. Auch hier wurde nämlich „eine Bauplanung einem Investor aus monetären Gründen“ überlassen. Ohne Investoren, die Projekte realisieren und dadurch z.B. mitunter interessanten und erschwinglichen Wohnraum auch für weniger Betuchte schaffen, für Leute also, die sich eine aufwendige, weil individuelle Einfamilienhaus-Bauplanung mit Architekt nicht leisten können, sähe es jedenfalls in mancher deutschen Kommune trübe aus. Nicht umsonst ist die Eigenheim-Besitzquote in Deutschland niedriger als in vielen unserer Nachbarstaaten.
Hinter der schlichten kategorischen Denkart, daß „Investoren“ zu misstrauen ist und „monetäre Gründe“ unmoralisch sind, stecken also letztlich nichts als alte Ressentiments, mit denen sich trefflich Stimmung erzeugen lässt. Stadtparlamente und –verwaltungen moderner Kommunen wären schlecht beraten, wenn sie sich von so erzeugter Stimmung abhängig machen und auf die Zusammenarbeit mit Projektträgern verzichten würden.
(veröff. im Hanauer Anzeiger v.26.5.07)
kewelforever - 2007/05/27 01:25
Neues Wohngebiet Fliederstraße weiter Zankapfel
Bruchköbel - Die Auseinandersetzungen um das Neubaugebiet Fliederstraße gingen auch in den vergangenen Tagen weiter. Wie bereits zu lesen war, hatten sich im März Anwohner des seit 2005 in Planung befindlichen Baugebietes mit massiven Einwänden gegen eine Realisierung des Gebietes in der bislang gefundenen Form zu Wort gemeldet.
Das Baugebiet, dessen Fläche die Vorbesitzer an eine Projektgesellschaft verkauft hatten, soll sich dicht an das Wohngebiet anfügen, die Zufahrt ist dann über die Fliederstraße gegeben. Insbesondere die geplante, relativ dichte Bebauung, mit Doppelhaushälften in Massivbauweise auf kleinen Grundstücken, stößt auf den Unwillen einiger Anwohner im Rosenring.
Die Positionen sind, so scheint es, unvereinbar, auch wenn noch im Rahmen der zweiten Offenlage Einsprüche und Bedenken möglich sind und für den Abschluss der Planung in Betracht gezogen werden müssen. Das Baugebiet soll aus kleinen Grundstücksparzellen bestehen, die wahrscheinlich auch für weniger Begüterte, für junge „Starter“-Familien etwa, den Weg ins erste eigene Haus bedeuten können. Das Argument der Anrainer, daß diese Konzeption nicht zu der bisherigen Bebauung im Stil des relativ locker bebauten Rosenringviertels passe, bildet den eigentlichen Kern des Konflikts.
Die Gegner bezeichneten das Baugebiet bereits als „Krebsgeschwür“ und möchten demgegenüber lieber ein weniger eng bebautes Gebiet anschließen. Das würde aber bedeuten, daß sich die Vermarktung für den Investor wohl kaum lohnen würde. Relativ große Grundstücke würden darüber hinaus zahlungskräftigere Käufer erfordern. Bürgermeister Michael Roth zeigte Verständnis für die Anrainer, betonte allerdings, daß einige der vorgebrachten Gründe gegen das Baugebiet übertrieben seien. Daß etwa die Umwandlung eines Teils eines Fussweges in eine verkehrsberuhigte Straße ein Problem für Schüler darstelle, vermochte er nicht zu erkennen. „Dann müssten wir in weiten Teilen der Stadt, wo ja oft wesentlich mehr Verkehr herrscht, die Straßen für Schüler sperren“, so Roth.
Im Rahmen der Planung seien überdies bereits viele Einzelvorschläge der betroffenen Bürger umgesetzt worden. Ursprünglich habe der Investor eine Reihenhaussiedlung geplant, die Stadt hatte diese Planung jedoch in eine augenfreundlichere Doppelhaussiedlung umgewandelt. Und Grundstücke, die direkt an einige Grundstücke im Rosenring angrenzen, seien darüber hinaus auf Einzelhausbebauung reduziert worden. Roth betonte, daß die Stadt auch in Zukunft wieder überwiegend Baugebiete für Einzelbauweise ausweisen werde. Allerdings müsse auch Platz für Investorenkonzepte sein, deren Angebote eben auch für weniger Begüterte interessant seien. Dies lasse sich auch im Zusammenhang mit dem durch das Stadtparlament verabschiedeten Leitbild der Stadt sehen, wo davon ausgegangen wird, daß sich Bruchköbel angesichts der allgemeinen demographischen Entwicklung um den Zuzug jüngerer, familiengründungswilliger Menschen bemühen muss.
In den Streit haben sich erwartungsgemäß auch die Parteien eingeschaltet. Die SPD, und hier namentlich deren Bürgermeisterkandidat und damit Konkurrent Roths für die Wahl im Herbst, Perry von Wittich, stellte sich demonstrativ hinter eine angeblich vorliegende alternative Planung der Kritiker aus dem Rosenring und betonte, daß seine Partei der Bebauung des Fliederstraßengebietes seinerzeit nicht zugestimmt habe. Das entbindet zwar den Bürgermeister als Chef der umsetzenden Behörde nicht davon, den seinerzeitigen Mehrheitsbeschluss umzusetzen, jedoch erhebt man den Vorwurf einer „mangelnden Kritikfähigkeit“ Roths.
Außerdem deutet sich an, daß die SPD erst eine Verkehrsplanung für die Stadt verabschiedet sehen will, bevor man überhaupt weiteren Baugebieten zustimmen will.
Die Grünen, Koalitionspartner der CDU, verweisen darauf, daß das Baugebiet noch zu CDU-Zeiten geplant sei und können sich insoweit aus der Affäre wähnen. „Alle zuvor demokratisch gefällten Entscheidungen rückgängig zu machen“, so die Fraktion in einer Stellungnahme, sei „unrealistisch“. Das Planen eines Baugebietes sei auch „keine Gewissensentscheidung, sondern eine Sache die weitestgehend von den Fachleuten in Bau- und Verkehrsabteilung durchgeführt wird“.
An einer anderen Stelle im Rosenring halten sich übrigens die Proteste bislang in Grenzen. Ein wenig genutzter Fussweg, der entlang der Gärten der Häuser im Rosenring zur Hammersbacher Strasse führt, wird wahrscheinlich, da kaum genutzt, eliminiert. Die Parzellen werden derzeit den Anwohnern zum Kauf angeboten.
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Auszüge aus Leserbriefen und Mitteilungen zum Thema „Fliederstraße“:
Frank Breitenbach, Bruchköbel (parteiloser Kandidat zur Bürgermeisterwahl): Der neu im Wahljahr des Bürgermeisters eingeführte „Bürgermeisterbrief“ befasst sich Herr Roth mit Bebauungsplänen und an deren Bürgerbeteiligung. Hierzu nimmt er wie folgt Stellung: „Auch Träger öffentlicher Belange und sonst möglicherweise betroffene Bürger erhalten die Möglichkeit, ihre Meinungen oder Änderungswünsche einzubringen.“ Mit der Aussage des Magistrats (in der gleichen Ausgabe des BK), werden die Einwände der Anwohner des Rosenringes, „Sie versuchen mit Unterschriftenlisten und Themen, die allgemeine Betroffenheit erzeugen, ein öffentliches Interesse vorzugeben.“ als falsche Eindrücke erweckt. Der vorhandene Schulweg soll (so der Magistrat) nicht dem Baugebiet geopfert werden, sondern zum verkehrsberuhigten Bereich als attraktiven Fußweg erhalten bleiben. Da frage ich mich, warum die Sorgen der Anwohner, welche auch nun ein breiteres Interesse der Bürger erweckt hat, so falsch sein soll!
B90/Grüne Bruchköbel, Uwe Ringel u.a.: Dass man, wenn man versucht für eine Stadt politische Arbeit zu leisten im Glashaus sitzt, müssen wohl die Mandatsträger und alle Stadtverordnete, die im Übrigen ehrenamtlich und ohne daraus persönliche Vorteile zu ziehen Arbeit leisten,wohl ertragen, aber es ist dennoch unerträglich, wenn man von Herrn Halm aus persönlichen Motiven und um persönliche Ziele zu erreichen, aus dem Zusammenhang heraus falsch zitiert wird und damit versucht wird den Eindruck mangelnder Gewissenhaftigkeit zu erwecken. Das Baugebiet Fliederstraße war bereits vor der letzten Wahl so weit gediehen, dass eine Streichung dieses Baugebietes oder eine völlige Umgestaltung in den Kooperationsverhandlungen mit der CDU keine Rolle spielen konnte. Die gegenüber Herrn Halm geäußerte Skepsis gegenüber dem Baugebiet Fliederstraße bezog sich darauf, dass die Grünen in Bruchköbel ganz allgemein keine Freunde der Investorenbebauung waren und sind. Gerade deshalb hat an dieser Stelle auch der 1. Stadtrat den intensiven Kontakt mit den betroffenen Bürgern gesucht und im persönlichen Dialog sich um größtmöglichen Konsens bemüht. Alle zuvor demokratisch gefällten Entscheidungen rückgängig zu machen ist unrealistisch und der Sache nicht dienlich.
Mitteilung der SPD Bruchköbel: „Wenn Herr Roth auf Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung verweist, will er der Öffentlichkeit vormachen, alle Fraktionen hätten dem zugestimmt. Diese Darstellung weist die SPD aufs Schärfste zurück“, so deren Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat Perry von Wittich. „Die Vorlagen für die Baugebiete „Kuhweg“ und „Westlich der Fliederstasse“ kamen aus der Verwaltung, dem Verantwortungsbereich des Bürgermeisters. Wir haben beiden Vorlagen unsere Zustimmung verweigert“. (...) Die SPD war von Beginn an gegen eine Erschließung der Gebiete und bemängelt seit Jahren eine fehlende Verkehrsplanung für die Stadt, die sie auch hier nicht gegeben sieht. „Es wird hier ein bisschen gebaut, dann da noch ein bisschen und dann schauen wir mal, wie wir mit den auftretenden Problemen zurecht kommen“, kritisiert die stellvertretende Fraktionschefin Christine Empter. Auch im Vorentwurf des Regionalen Flächennutzungsplanes seien zwar weitere Baugebiete, aber ausdrücklich keine Änderungen im Verkehrsnetz vorgesehen.
(ersch. im "Bruchköbeler Kurier" vom 24.5.07)
kewelforever - 2007/05/24 18:10
Kostenschätzungen vorgestellt
Bei der Stadtverordnetensitzung am letzten Dienstag präsentierte Stadtrat Uwe Ringel den Versammelten seine Informationen zum Status des Bruchköbeler Hallen- und Freibades. Der Zustand der Einrichtung hatte in den vergangenen Jahren bereits mehrfach für Diskussionen gesorgt, und Ringel hatte mit seinem Beitrag auf eine Anfrage der FDP zu reagieren, die die Situation detailliert erläutert bekommen haben wollte.
Insbesondere das 1972/73 errichtete Hallenbad, das von Vereinen, Schwimmgruppen und Besuchern genutzt wird, bietet Anlass zur Besorgnis. Ringel konstatierte „kompletten Sanierungsbedarf“ für das Becken, die Wasseraufbereitung, Lüftung, Heizung, die Wärmedämmung, für Dach und sanitäre Einrichtungen.
Hinzu kommt, dass der Betrieb des Hallen- und Freibades pro Jahr rund 500.000 Euro Zuschüsse erfordert, was nur teilweise durch 300.000 Euro Überschüsse aus den Bärensee-Einnahmen ausgeglichen werden kann. Einsparungen könnten unter dem Strich für eine Entlastung um 70-100.000 Euro sorgen, allerdings stünden dem die Kosten für eine Totalsanierung von rund 1,6 Millionen Euro gegenüber, die ein Gutachten im Jahr 2003 ermittelt hatte.
Eine von Ringel eingeladene Delegation der Berliner Firma „AH Architekten“, Experten auf dem Gebiet Schwimmbadsanierung und –bau, präsentierte daraufhin die Perspektiven, die sich aus einer erweiterten Sanierung oder auch aus einem totalen Neubau der Anlage ergeben würden. Dazu wurden vier Szenarien vorgestellt.
Variante Eins bestand in dem Vorschlag, das Außenbecken des Bades mit einer mobilen Traglufthalle zu versehen und dieses somit in ein Allwetterbad zu verwandeln. Diese 1,6 Millionen Euro teure Lösung wäre schnell zu realisieren, allerdings kann sie nicht als langfristig angesehen werden und würde hohe Energiekosten nach sich ziehen.
Variante Zwei würde neben der Totalsanierung des derzeitigen Hallenbades einen Anbau für eine Sauna mit Saunagarten und ein weiteres kleineres Freizeitbecken vorsehen. Diese rund 5,4 Millionen Euro teure Lösung wäre abschnittsweise realisierbar, würde die Substanz des Altbaus einbeziehen und das neue Marktsegment „Wasser und Wellness“ präsentieren, mithin also neue Besucher anziehen.
Für Variante Drei würde der bestehende Hallenbadbau abgerissen, um an gleicher Stelle einen völlig neu konzipierten Bau zu errichten. Der würde dann mit aller Raffinesse nach modernsten Erkenntnissen gestylt, wäre in Technik und Energienutzung effizient ausgelegt und könnte ebenfalls mit dem neuen Element „Wellness“ Besucher anlocken: eine Saunaanlage mit sichtgeschütztem Garten würde auch hier dazugehören. Alle Bereiche des Neubaues, inklusive eines modernen Gastronomiebereiches, wären auch vom Freibad aus nutzbar. Die Architektengruppe hob dazu die eigentlich landschaftlich schöne Lage des derzeitigen Schwimmbad-Standortes entlang des Krebsbaches hervor, die, so war es jedenfalls aus den präsentierten Skizzen zu erahnen, mit dieser Planung zu bisher nicht geahnter Geltung kommen könnte. Die Kosten für einen Neubau am alten Standort schätzen die Fachleute auf 6,7 Millionen Euro.
Würde man nun demgegenüber ein völlig neues Hallen- und Freibad an anderer Stelle errichten, wofür bekanntlich schon früher das Gelände hinter der Dreispitzhalle in Betracht gezogen worden ist, dann würde sich für diese Variante Vier eine Investition von rund 12 Millionen Euro ergeben. Auch dies wäre ein nach modernsten Gesichtspunkten konzipiertes Bad, mit Wellnessbereich und weiteren Attraktionen.
Der Traum allerdings, dass sich durch den Verkauf des alten Geländes ein finanzielles Plus ergeben würde, das zur Finanzierung beitragen könnte, wird wohl einer bleiben. Stadtrat Uwe Ringel hatte den Stadtverordneten bereits zu Beginn vorgerechnet, dass einem theoretischen Verkaufserlös von 2,1 Millionen Euro Kosten für Abriss und für den Ankauf neuen Geländes gegenüberstünden, die das Geld am Ende aufzehren. Bruchköbels Stadtverordnete wären nun am Zuge, die möglichen Modelle und die Finanzierung näher zu beraten.
kewelforever - 2007/04/23 14:15
Interessengemeinschaft meldet sich zu Wort
Bruchköbel - Neben dem Beschluss über die Änderung der Kindergarten-Gebührensatzung, die für Kinder im letzten Jahr vor der Einschulung zur Befreiuung von der Gebührenpflicht führen wird (der BK berichtete), wurde bei der letzten Sitzung der Stadtverordneten nur kurz der neue Oberissigheimer Bebauungsplan „Am Kuhweg“ zum Thema. Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen frühzeitigen Träger- und Bürgerbeteiligung sind dazu mittlerweile an die zwanzig Anregungen und Bedenken eingereicht worden. Auch liegen schon abwägende Vorschläge von Seiten des Magistrates dazu vor. Beispielsweise hat sich eine Gruppe von Bürgern für eine bessere Anbindung dieses Baugebietes ausgesprochen, was in einigen Details Umplanungen nach sich ziehen wird. Im Wesentlichen geht es dabei um die Verkehrsentlastung einiger bestehender Straßen. Über das weitere Vorgehen wird der Bau- und Umweltausschuss beraten.
Zu einem anderen voraussichtlichen Baugebiet des Arbeitstitels „Westlich der Fliederstraße“ hat sich eine Interessengemeinschaft gebildet, die inzwischen einen Einspruch beim Magistrat eingereicht hat. Die Gemeinschaft nutzte die Stadtverordnetensitzung, um per Verteilung eines umfangreichen Flugblattes auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.
Die Gruppe wendet sich gegen die bauliche Ausweisung eines Streifens in der Nähe der Fliederstraße. Die dort geplante Bebauung sei zu eng konzipiert. So solle der Schulweg zwischen Niederissigheim und Böll-Schule, der täglich von vielen Kindern genutzt werde, einer beruhigten Fahrstraße ohne Bürgersteig weichen, weil der Bauträger dies aufgrund der engen Bebauung als notwendig ansehe. Die zu knapp bemessene und nach Ansicht der Gemeinschaft „monotone“ Bebauung passe nicht in das homogen geplante und bebaute Wohngebiet im Rosenring.
Es sei verwunderlich, warum seitens der Stadt keine Anstrengungen unternommen würden, eine der im Rosenring-Gebiet vorhandenen Bebauung gerechte Anschlussplanung zu entwickeln. Alle Planung sei dem Bauträger überlassen worden. Die Interessengemeinschaft fragt, warum am Ortsrand von Bruchköbel ein relativ kleines Stück Ackerland „mit Gewalt und ohne qualifizierte Planung und rein auf wirtschaftliche Interessen eines Bauträgers ausgelegt, zu Lasten der Mitbürger und des Stadtbildes“ bebaut werden solle. Man unterstellt, dass private Interessen im Vordergrund stehen, eine Ansicht, für die nach Ansicht der Interessengemeinschaft auch das beschleunigte Verfahren spreche. „Die Zeit der engen Bebauung“, so die Initiative, sei jedoch „längst vorbei.“ Viele umliegende Gemeinden, wie Langenselbold, Rodenbach, Mittelbuchen und Großauheim hätten dies erkannt und planten inzwischen ihre Neubaugebiete aufgelockert, menschenfreundlich und mit Grünflächen.
Die Initiative will sich nicht als zum bloßen Zweck der Verhinderung gegründet ansehen lassen. Sie fragt vielmehr, warum man nicht die gesamte Ackerfläche bis zur Bahnlinie in die Planung einbeziehe. Eine solche Planung müsse sich an der vorhandenen Bebauung orientieren und würde daneben auch den Erhalt eines sicheren Schulweges beinhalten.
kewelforever - 2007/03/15 22:22
Gedanken zur Viaduktsituation
Eine der enervierendsten Veranstaltungen auf der gesamten Bruchköbeler Gemarkung ist, wie ich finde, die Verkehrssituation vor dem Viadukt.
Sie wurde bekanntlich schon öfters thematisiert.
Besonders Samstagvormittags herrschen an den Ampelanlagen geradezu großstädtische Zustände. Das System der Ampelschaltungen scheint mir dabei so ausgelegt zu sein, dass immer dort, wo ich mit meinem Wagen in der Schlange stehe, gerade extralange Rot-Phasen eingestellt worden sind.
Mein ganz persönlicher Feind ist die Ampel, auf die man trifft, wenn man von Roßdorf herunter nach links in den Viadukt einbiegen will. Nicht nur, dass sie spätestens alle fünf Autos wieder auf Rot springt: auch die Wartespur für die Linksabbieger erweist sich zu den Stoßzeiten als zu kurz bemessen, so dass man bisweilen nicht weiss, wo man eigentlich des ersehnten Ampelgrüns harren soll, ohne den Weg für den nachfolgenden Verkehr zu versperren.
Vor ein paar Jahren hat ein Verkehrsexperte den Bruchköbeler Stadtverordneten die Einrichtung eines großräumigen Kreisverkehrs vorgeschlagen. Der Mann hatte die Idee, die gesamte Straßenführung rund um die Aldi-Penny-Toom-Insel in eine zweispurige Einbahnstraße umzuwidmen und die Ampelanlagen abzuschalten.
Damit wäre ein großräumiger Kreisverkehr entstanden, verbunden mit der Hoffnung, dass die Kapazität der gesamten vorhandenen Spuren besser genutzt und sich somit die Stausituation entkrampfen würde.
Es ist dann auch von einer Versuchsphase die Rede gewesen, woraus aber nichts geworden ist. Mir ist nicht mehr so recht erinnerlich, warum man diesen Versuch nicht angegangen ist.
Wahrscheinlich hat jemand gesagt: „Zu teuer!“, oder wahlweise „Geht nicht!“.
Das wiederum sind Worte, die uns schon als Kinder entmutigt haben. Wenn die Erwachsenen so was gesagt haben, dann hat man das Ideenproduzieren eingestellt. Man hat sich dann eben brav hinten angestellt, wie alle anderen auch.
So besehen, hat das Warten vor den Viadukt-Ampeln auch was Vertrautes.
Vielleicht haben wir sie ja inzwischen sogar richtig lieb gewonnen, unsere Viadukt-Ampeln.
kewelforever - 2006/11/07 22:47
Stadtverordnete fassen Grundsatzbeschluss / Von Jürgen Dick
Bruchköbel - Eine völlig neue Brücke über die Bundesbahn-Gleise – so sieht das Konzept aus, das die Versammlung der Stadtverordneten am Dienstag auf den Weg gebracht hat. Die Grundsatzentscheidung sieht vor, dass die derzeitige Brücke erst abgerissen wird, wenn eine neue Brücke mit Radweg parallel zum bestehenden Bauwerk errichtet worden ist. Die neue Brücke würde dann um rund 15 Meter nach Norden, also in Richtung Bruchköbel, erstellt werden.-
Die Maßnahme ist bereits seit Jahren im Investitionsprogramm der Stadt beschlossen, allerdings war immer davon ausgegangen worden, die bestehende Brücke lediglich an ihrem alten Ort zu erneuern. Das hätte zur Folge gehabt, dass die Brücke für eine bis zu 8 Monate währende Bauzeit voll gesperrt worden wäre. Die Folgen für den Verkehr wären wahrscheinlich gravierend ausgefallen, der Verkehr über den Kirleweg hätte sich zu einem großen Anteil durch das Nadelöhr am Viadukt zwängen müssen. Mit dem neuen Konzept errechnen sich aufgrund des nun notwendigen völligen Neubaues der Brücke allerdings Mehrkosten in Höhe von rund 200.000 Euro, die zu der ursprünglich veranschlagten runden Million Euro hinzuaddiert werden müssen. - Eine Kompensation für diese Kosten könnte so aussehen: Zunächst wird davon ausgegangen, dass das Land Hessen mit einem Zuschuss von rund 70% der Kosten beispringt. Im günstigen Fall würden auch die Mehrkosten in dieser Höhe bezuschusst. Und da der Busverkehr während der gesamten Bauzeit ungehindert auf der gewohnten Strecke weiterläuft, müssen auch keine Mehrkosten an die Buslinienbetreiber entrichtet werden. Die hätten nämlich im Falle einer Brückensperrung Ausgleichszahlungen in Höhe von rund 140.000 Euro für Umwege geltend machen können.
In der Beratung der Stadtverordneten hatten Heidi Himmler (FDP) und Uwe Ringel (Bündnis90/Grüne) deutlich gemacht, dass ein so umfangreiches Projekt zunächst im Bauausschuss beraten werden müsse. Der erste Stadtrat Dziony hatte daraufhin interveniert und betont, dass es zunächst um einen Grundsatzbeschluss gehe. Spätere Planungen könnten dann immer noch beraten werden. Letztlich wurde ein Änderungsantrag der CDU mehrheitlich angenommen, in dem neben dem Konzept „Neue Brücke“ als zusätzliche Punkte die bessere Zufahrt zum Gewerbegebiet „Lohfeld“ sowie ein neues Radwegkonzept erwähnt sind.
(ersch. im Bruchköbeler Kurier v. 23.2.06)
kewelforever - 2006/02/26 17:11