Premium-Strategie für die Innenstadt?
Dirk Vogels Vorschläge zur Stadtentwicklung
- und ein Kommentar von Sylvia Braun (FDP)
(Bruchköbel/jgd) - Das neue Thesenpapier des Kandidaten um das Bürgermeisteramt, Dirk Vogel (SPD), gewährt Einblicke in dessen Pläne für die Innenstadtentwicklung. Und es ermöglicht Rückschlüsse auf den Stand der SPD/BBB-internen Diskussionen zur Entwicklung der Stadt. Denn die seit neuestem zur Unterstützung Vogels verbrüderten SPD und BBB waren sich nicht immer grün. Noch in jüngerer Zeit wich das Abstimmverhalten von SPD und BBB öfter voneinander ab. Umso neugieriger darf man also auf die politischen Gemeinsamkeiten der beiden früheren Konkurrenten sein. Niedergeschrieben sind sie noch nirgends. Doch das Programm des gemeinsamen Kandidaten der beiden Parteien bietet einige Hinweise darauf.-
In Vogels neuem Papier geht es um die Stadtentwicklung. Jedoch fehlen darin Pläne zum Rewe/Rathaus-Areal. Das ist umso erstaunlicher, als ja gerade darum der monatelange politische Streit wogte. Die Bürgerbefragung hatte dann eine deutliche Mehrheit dafür ergeben, das Areal in die Planungen einzubeziehen. Vogels Pläne benennen aber dafür nur einen greifbaren Schritt - der genau besehen noch nicht einmal ein stadtplanerischer Schritt ist: Vogel möchte das Rathaus renovieren, es aber in seinem jetzigen Zuschnitt erhalten. Dem ursprünglichen Konzept der "Neuen Mitte" mit Investor und Rathausneubau wird eine Absage erteilt. Ohnehin sei die Schaffung neuer Geschäftsflächen in der Innenstadt gar nicht wünschenswert, glaubt Vogel. Stattdessen soll es um eine "Differenzierung" des Angebotes gehen: In Zukunft, so Vogel, sollen einzigartige, besondere Geschäfte das Bild der Innenstadt prägen, statt Ketten und Filialen. Wer im Papier Vogels also nach Antworten darauf sucht, was mit dem Rathaus/Rewe-Areal in den nächsten Jahren geschehen sollte, der lernt: Wesentliche Veränderung soll es dort mit ihm nicht geben. Stattdessen will Dirk Vogel den nicht weit entfernten Freien Platz in eine Fußgängerzone umwandeln, damit sich hier weiteres Gewerbe und Cafés ansiedeln.-
Vogels Marschrichtung ist logische Fortsetzung des Verhaltens der SPD während der Diskussionen um die "Neue Mitte". In der heutigen SPD gibt es in der Tat eine starke Strömung, die das Areal am Rewe weitgehend unangetastet lassen möchte. Das mag daran liegen, dass Rathaus, Parkdeck und Seniorenzentrum in den SPD-Köpfen immer noch als Leuchtturmprojekte glorreicher SPD-Regierungszeit präsent sind. Diese Sehnsucht nach Bewahrung bildet somit die rote Linie für jeden SPD-Kandidaten. Noch fraglich ist, ob sich auch bereits der BBB dieser Position vollends angeschlossen hat - die nämlich im Grunde darauf hinausläuft, in der Innenstadt auf Jahrzehnte hinaus nicht mehr viel zu verändern, das innerstädtische Gewerbeangebot quasi einzufrieren. Vogels ersatzweise angebotene Vorstellung einer sogenannten "Premium-Strategie für die Geschäfte der Innenstadt" ist, bei Licht betrachtet, eher eine Hoffnung als ein Plan. Denn ein Bürgermeister kann keine Vorschriften darüber erlassen, welche Geschäfte sich ansiedeln dürfen und welche nicht. Und eine Sperrung der Hauptstraße müsste mit dem Land Hessen zunächst einmal verhandelt werden - dies ist auch Vogel bewusst. Er will deshalb einen "Verkehrsentwicklungsplan" erstellen lassen. Klar ist: Würde man die Hauptstraße für den Durchgangsverkehr sperren, dann müssten andere Verkehrsführungen her - entweder parallel zur heutigen Hauptstraße verlaufend, oder in Form einer ganz neuen Umgehungsstraße um die Stadt herum. - Unter www.vogel2026.de ist das aktuelle Thesenpapier Dirk Vogels zu lesen.
Brückenbauer gesucht
Gastkommentar von Sylvia Braun
Dass Bürgermeisterkandidat Dirk Vogel den Planungen zur „Neuen Mitte“ in seinem Konzept kein großes Gewicht bemisst, ist nicht wirklich überraschend. Seit Bekanntwerden der Planungen für einen Rathausabriss haben die Bruchköbeler Sozialdemokraten immer wieder eine mögliche Renovierung des Rathauses als Alternative ins Spiel gebracht. Die in der Bürgerbefragung gewünschte Einbeziehung des Rathaus/Rewe-Areals in die Planungen zur Innenstadtentwicklung kann natürlich auch in einer solchen Maßnahme umfasst sein. Die vermutete Sehnsucht nach Bewahrung wäre doch eigentlich keine originär sozialdemokratische Haltung. Vielmehr denkt doch jeder Hausbesitzer ähnlich, wer reißt schon sein Haus ab, nur weil es renovierungsbedürftig ist. Außerdem gibt es Blaupausen aus anderen Kommunen bei vergleichbaren Fällen.
Knackpunkt ist dabei, wie bei so Vielem in diesen Zeiten, die Frage der Finanzierung. Und es bleibt die Frage, ob die Fläche im Zentrum nicht gewinnbringender für die Bruchköbeler Bürger gestaltet werden sollte. Denn die Bruchköbeler wünschen sich vor allem mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Ob man die mit einer Sanierung des Rathauses schaffen kann, ist doch sehr fraglich. Fakt ist, egal wer die Wahl im November gewinnen wird, er wird als Bürgermeister in Sachen Innenstadtentwicklung eine breite Basis in der Politik und in der Bevölkerung suchen müssen. Weder das Lager der absoluten Bewahrer noch der kompletten Erneuerer in Sachen Innenstadt haben in der Stadtverordnetenversammlung und unter den Bruchköbeler Bürgern eine deutliche Mehrheit. Für die Umsetzung solch wegweisender Entscheidungen ist dies aber zwingend notwendig. Sonst droht die nächste turbulente Bürgerversammlung wie zur "Neuen Mitte" wie vor rund einem Jahr.
Ein Bürgermeister wird nur erfolgreich unsere Stadt voran bringen können, wenn er es schafft mit seinen Ideen Brücken zwischen den unterschiedlichen Meinungen zu bauen, statt sich hinter einer Position zu verschanzen. Das gilt übrigens gerade in der Bruchköbeler Politik für viele Bereiche, nicht nur hinsichtlich der Stadtentwicklung. Kreativität und Führungsstärke sind gefragt, um Bruchköbel aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Der Herausforderer und seine bisher bekannten Konzepte überzeugen bisher in dieser Hinsicht nicht wirklich. Und vom derzeitigen Amtsinhaber und Bürgermeisterkandidaten Maibach hat man keine Konzepte, Ideen und Ziele für die nächsten sechs Jahre lesen oder hören können. Seine Internetseite schlummert seit 6 Jahren, vielleicht gerade deshalb eine interessante Lektüre...
- und ein Kommentar von Sylvia Braun (FDP)
(Bruchköbel/jgd) - Das neue Thesenpapier des Kandidaten um das Bürgermeisteramt, Dirk Vogel (SPD), gewährt Einblicke in dessen Pläne für die Innenstadtentwicklung. Und es ermöglicht Rückschlüsse auf den Stand der SPD/BBB-internen Diskussionen zur Entwicklung der Stadt. Denn die seit neuestem zur Unterstützung Vogels verbrüderten SPD und BBB waren sich nicht immer grün. Noch in jüngerer Zeit wich das Abstimmverhalten von SPD und BBB öfter voneinander ab. Umso neugieriger darf man also auf die politischen Gemeinsamkeiten der beiden früheren Konkurrenten sein. Niedergeschrieben sind sie noch nirgends. Doch das Programm des gemeinsamen Kandidaten der beiden Parteien bietet einige Hinweise darauf.-
In Vogels neuem Papier geht es um die Stadtentwicklung. Jedoch fehlen darin Pläne zum Rewe/Rathaus-Areal. Das ist umso erstaunlicher, als ja gerade darum der monatelange politische Streit wogte. Die Bürgerbefragung hatte dann eine deutliche Mehrheit dafür ergeben, das Areal in die Planungen einzubeziehen. Vogels Pläne benennen aber dafür nur einen greifbaren Schritt - der genau besehen noch nicht einmal ein stadtplanerischer Schritt ist: Vogel möchte das Rathaus renovieren, es aber in seinem jetzigen Zuschnitt erhalten. Dem ursprünglichen Konzept der "Neuen Mitte" mit Investor und Rathausneubau wird eine Absage erteilt. Ohnehin sei die Schaffung neuer Geschäftsflächen in der Innenstadt gar nicht wünschenswert, glaubt Vogel. Stattdessen soll es um eine "Differenzierung" des Angebotes gehen: In Zukunft, so Vogel, sollen einzigartige, besondere Geschäfte das Bild der Innenstadt prägen, statt Ketten und Filialen. Wer im Papier Vogels also nach Antworten darauf sucht, was mit dem Rathaus/Rewe-Areal in den nächsten Jahren geschehen sollte, der lernt: Wesentliche Veränderung soll es dort mit ihm nicht geben. Stattdessen will Dirk Vogel den nicht weit entfernten Freien Platz in eine Fußgängerzone umwandeln, damit sich hier weiteres Gewerbe und Cafés ansiedeln.-
Vogels Marschrichtung ist logische Fortsetzung des Verhaltens der SPD während der Diskussionen um die "Neue Mitte". In der heutigen SPD gibt es in der Tat eine starke Strömung, die das Areal am Rewe weitgehend unangetastet lassen möchte. Das mag daran liegen, dass Rathaus, Parkdeck und Seniorenzentrum in den SPD-Köpfen immer noch als Leuchtturmprojekte glorreicher SPD-Regierungszeit präsent sind. Diese Sehnsucht nach Bewahrung bildet somit die rote Linie für jeden SPD-Kandidaten. Noch fraglich ist, ob sich auch bereits der BBB dieser Position vollends angeschlossen hat - die nämlich im Grunde darauf hinausläuft, in der Innenstadt auf Jahrzehnte hinaus nicht mehr viel zu verändern, das innerstädtische Gewerbeangebot quasi einzufrieren. Vogels ersatzweise angebotene Vorstellung einer sogenannten "Premium-Strategie für die Geschäfte der Innenstadt" ist, bei Licht betrachtet, eher eine Hoffnung als ein Plan. Denn ein Bürgermeister kann keine Vorschriften darüber erlassen, welche Geschäfte sich ansiedeln dürfen und welche nicht. Und eine Sperrung der Hauptstraße müsste mit dem Land Hessen zunächst einmal verhandelt werden - dies ist auch Vogel bewusst. Er will deshalb einen "Verkehrsentwicklungsplan" erstellen lassen. Klar ist: Würde man die Hauptstraße für den Durchgangsverkehr sperren, dann müssten andere Verkehrsführungen her - entweder parallel zur heutigen Hauptstraße verlaufend, oder in Form einer ganz neuen Umgehungsstraße um die Stadt herum. - Unter www.vogel2026.de ist das aktuelle Thesenpapier Dirk Vogels zu lesen.
Brückenbauer gesucht
Gastkommentar von Sylvia Braun
Dass Bürgermeisterkandidat Dirk Vogel den Planungen zur „Neuen Mitte“ in seinem Konzept kein großes Gewicht bemisst, ist nicht wirklich überraschend. Seit Bekanntwerden der Planungen für einen Rathausabriss haben die Bruchköbeler Sozialdemokraten immer wieder eine mögliche Renovierung des Rathauses als Alternative ins Spiel gebracht. Die in der Bürgerbefragung gewünschte Einbeziehung des Rathaus/Rewe-Areals in die Planungen zur Innenstadtentwicklung kann natürlich auch in einer solchen Maßnahme umfasst sein. Die vermutete Sehnsucht nach Bewahrung wäre doch eigentlich keine originär sozialdemokratische Haltung. Vielmehr denkt doch jeder Hausbesitzer ähnlich, wer reißt schon sein Haus ab, nur weil es renovierungsbedürftig ist. Außerdem gibt es Blaupausen aus anderen Kommunen bei vergleichbaren Fällen.
Knackpunkt ist dabei, wie bei so Vielem in diesen Zeiten, die Frage der Finanzierung. Und es bleibt die Frage, ob die Fläche im Zentrum nicht gewinnbringender für die Bruchköbeler Bürger gestaltet werden sollte. Denn die Bruchköbeler wünschen sich vor allem mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Ob man die mit einer Sanierung des Rathauses schaffen kann, ist doch sehr fraglich. Fakt ist, egal wer die Wahl im November gewinnen wird, er wird als Bürgermeister in Sachen Innenstadtentwicklung eine breite Basis in der Politik und in der Bevölkerung suchen müssen. Weder das Lager der absoluten Bewahrer noch der kompletten Erneuerer in Sachen Innenstadt haben in der Stadtverordnetenversammlung und unter den Bruchköbeler Bürgern eine deutliche Mehrheit. Für die Umsetzung solch wegweisender Entscheidungen ist dies aber zwingend notwendig. Sonst droht die nächste turbulente Bürgerversammlung wie zur "Neuen Mitte" wie vor rund einem Jahr.
Ein Bürgermeister wird nur erfolgreich unsere Stadt voran bringen können, wenn er es schafft mit seinen Ideen Brücken zwischen den unterschiedlichen Meinungen zu bauen, statt sich hinter einer Position zu verschanzen. Das gilt übrigens gerade in der Bruchköbeler Politik für viele Bereiche, nicht nur hinsichtlich der Stadtentwicklung. Kreativität und Führungsstärke sind gefragt, um Bruchköbel aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Der Herausforderer und seine bisher bekannten Konzepte überzeugen bisher in dieser Hinsicht nicht wirklich. Und vom derzeitigen Amtsinhaber und Bürgermeisterkandidaten Maibach hat man keine Konzepte, Ideen und Ziele für die nächsten sechs Jahre lesen oder hören können. Seine Internetseite schlummert seit 6 Jahren, vielleicht gerade deshalb eine interessante Lektüre...
kewelforever - 2013/06/01 08:01