14
Jan
2009

Kriminalität im Stadtgebiet gesunken

Polizeistation für Bruchköbel?

Bruchköbel – Könnte es zu einer Verlegung der Polizeistation II Hanau nach Bruchköbel kommen? Die Option scheint derzeit aussichtsreich im Gespräch zu sein. So jedenfalls kann man eine Aussage des Bürgermeisters verstehen, dem zum Thema herausrutschte, es seien Gespräche mit den zuständigen Landesgremien im Gange, über die eigentlich Vertraulichkeit vereinbart gewesen sei. Die nötigen Unterlagen seien inzwischen an das Ministerium gereicht worden. Ein Beschluss der Stadtverordneten mit der gleichen Zielsetzung sei deswegen nicht hilfreich.

„Wir sind bei dem Thema schon weiter“, so der Bürgermeister in Richtung der SPD, die einen Antrag der FDP, für den derzeitigen Polizeiposten längere Öffnungszeiten einzurichten, aufgegriffen hatte. Die SPD wollte diesen Antrag mit ihrem Vorschlag toppen, die Hanauer „Polizeistation II“ nach Bruchköbel zu verlegen. Ähnliches hatte auch der BBB gefordert, der den derzeitigen Polizeiposten in der Innenstadt zu einer echten Polizeistation heraufgestuft sehen wollte. Letztlich einigten sich die Fraktionen von SPD, BBB und FDP auf den Antrag der SPD: Magistrat und Bürgermeister sollen sich darum bemühen, die Polizeistation Hanau II nach Bruchköbel zu holen.

Diesen Antrag wollen alle drei Fraktionen als Rückenstärkung für den Bürgermeister verstanden wissen. Der allerdings, so wurde deutlich, hätte viel lieber die leisen Sohlen der Diplomatie bevorzugt - und hat sich eventuell durch seinen Lapsus der vorzeitigen Bekanntgabe darum gebracht, im Erfolgsfall exklusiv ins Rampenlicht strahlen zu können.

Bemerkenswertes hatte der Bürgermeister aber auch zuvor schon über die Kriminalitäts-Situation in Bruchköbel bekanntgegeben. Dabei griff er die Behauptung der FDP auf, derzufolge es „in letzter Zeit in den Abend- und Nachtstunden, sowie an Wochenenden vermehrt zu Sicherheitsrisiken gekommen“ sei. Auch die SPD hatte in ihrem Antrag dramatisch von „zunehmenden Übergriffen in Bruchköbel“ gesprochen, wo „auf Veranstaltungen zunehmend stärkerer Polizeieinsatz“ nötig werde. Bürgermeister Maibach hat nun deswegen ein Gespräch mit dem Polizeidirektor der Dienststelle Hanau II, Bernd Krinzinger, geführt. Nach dessen Worten sei die Verlängerung der Dienstzeiten im derzeitigen Polizeiposten nicht zu rechtfertigen. Das hänge mit der im Vergleich zu Nachbargemeinden guten Polizeiversorgung und mit den gesunkenen Kriminalitätszahlen in der Stadt zusammen. Im Vergleich 2008 gegenüber 2007 seien zum Beispiel die Fälle von Körperverletzung um 50% zurückgegangen, Wohnungseinbrüche um 69%, PKW-Aufbruchsdelikte um 28%. Nur bei Sachbeschädigungen sehe man einen Anstieg – insbesondere bei Graffiti habe es zwar einen deutlichen Anstieg von 0 auf 52 Vorkommnisse gegeben, der aber einer inzwischen eingegrenzten Tätergruppe zuzuschreiben sei. Die Aufklärungsquote ist auf 60% angestiegen.

Die Verlängerung der Öffnungszeit des Polizeipostens sei daher nicht sinnvoll. Etwas anderes, und dies wurde in der Diskussion am Dienstag deutlich, würde die komplette Verlegung einer ganzen Polizeistation nach Bruchköbel bedeuten. Diese hätte nicht alleine den Zweck der Präsenz für Bruchköbel, sondern wäre dann für die nähere Region zuständig – was nicht zuletzt den Status der Stadt als Mittelzentrum aufwerten würde.
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Phantasie und Fakten

Kommentar von Jürgen Dick

Politiker machen sich leider immer wieder gerne interessant mit Schilderungen über Bedrohungen und mangelnde Sicherheit. Schon seit einiger Zeit geistern in Bruchköbel Aussagen umher, es gehe mit der Sicherheit bergab, die Bürger fühlten sich nicht mehr wohl und trauten sich buchstäblich nicht mehr aus dem Haus.

Diesen Eindruck teilt aber nicht jeder Bürger, und die Zahlen, die der Bürgermeister am Dienstag frisch aus der Polizeistatistik präsentierte, zeigen, dass es in der Tat keinen Grund gibt, die unzweifelhaft vorhandenen Fälle krimineller Delikte zu einem breiten Bedrohungsszenario aufzubauschen, das mit der Realität nichts zu tun hat. Signifikante Kennziffern (Ein-, Aufbrüche, Körperverletzung) sind im Jahresvergleich deutlich geschrumpft.

Da fragt man sich, woher SPD und FDP ihre gegenteiligen Aussagen herbekommen haben. Die SPD hatte vor nicht langer Zeit sogar einen
„Präventionsrat“ einberufen wollen, der vor den beliebten Stadtfesten, die man anscheinend demnächst als Krisenfall zu begreifen hat, die Gefahrenlage erörtern soll.

Bei der Bewertung von Einzelfällen ist oftmals das subjektive Empfinden der Gradmesser aller Dinge, was insbesondere dann verständlich ist, wenn man selbst Opfer wird. Die Fallzahlstatistiken sind aber meist weniger aufregend. Und wenn es um angemessene Prävention und Effizienz geht, ist Bauch statt Kopf nicht immer der beste Ratgeber. Dem Bürgermeister ist zu danken, dass er zwischendurch einmal der Nüchternheit den ihr gebührenden Raum gegeben hat.

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(ARCHIV / veröffentlich im "Bruchköbeler Kurier" vom 15.1.09)

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