Neuer Anlauf beim Lohfeld
Stadtverordnete beauftragen Magistrat
Bruchköbel – Es soll nun erneut ernst werden mit der Erschließung des Gewerbegebietes „Im Lohfeld“, der südlichen Fläche jenseits des Galgengarten-Areals vor dem Viadukt. Daß das Lohfeld wieder in Angriff genommen werden soll, war bereits im Zuge der Beratungen um die regionale Langzeit-Flächenplanung der Stadt abzusehen gewesen, als eben dieses Gebiet für voraussichtliche gewerbliche Nutzung ausgewiesen worden war. Genau dies sieht nun ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vor, der vor allem mit den Stimmen von CDU und Grünen die erforderliche Mehrheit erbracht hat.
Den Antrag hatte die CDU vorgelegt, und er besagt in lapidarem Amtsdeutsch, daß die Stadtverwaltung beauftragt wird, die Voraussetzungen für das Bauplanungsverfahren zu schaffen. Für die FDP präsentierte deren Sprecher Horst Roepenack einen Änderungsantrag. Der war so zu verstehen, daß die Stadtverordnetenversammlung selbst, anstatt der städtischen Gremien, die Zielsetzungen für das Lohfeld erarbeiten solle.
Stadtrat Uwe Ringel bezeichnete dies als „doppelt gemoppelt“, denn was die Stadtverwaltung mit ihren Fachleuten im Bauamt erarbeite, werde dem Parlament ohnehin zur Beschlussfassung vorgelegt. Ehrenamtliche Stadtverordnete könnten überdies die professionelle Arbeit bezahlter Fachleute nicht ersetzen, ergänzten Grünen-Faktionschef Wenzel wie auch Alexander Rabold (CDU).
Grund zur Kritik am CDU-Antrag sah aber auch der SPD-Fraktionsführer Perry von Wittich, der die beiden bisherigen Versuche, das Lohfeld zu erschließen, zum Angriff auf den CDU-Magistrat nutzte. Nicht die Stadtverwaltung, sondern der Bau- und Umweltausschuss des Parlamentes sei der richtige Adressat für den Antrag.
Für die CDU-Fraktion präsentierte sich deren Vizesprecher Alexander Rabold mit offensichtlich gut vorbereiteter Detailkenntnis. In der jüngeren Vergangenheit habe sich die Stadt bereits zwei mal darum bemüht, das Lohfeld zu erschließen, jedoch waren Initiativen in den Jahren 2002 und 2004 wieder abgebrochen worden. Bereits im Jahr 2002 habe eine Planungsgesellschaft einen fix und fertigen Plan entwickelt, der die Ansiedlung eines großen Lebensmittel-Vollsortiment-Marktes, eines Baumarktes und einer Spedition gebracht hätte. Bedenken wegen des Schwerverkehrs, aber auch Ängste wegen der Gefährdung des innerstädtischen Gewerbes hätten die Stadt damals zurückziehen lassen. Im Jahr 2004 wäre es dann beinahe zur Partnerschaft mit einer Gesellschaft gekommen, die das Bauland gekauft und dann Stück für Stück an interessierte Firmen veräußert hätte. Dieses auch als „Bodenbevorratungsmodell“ bezeichnete Verfahren war auf 10 Jahre angesetzt worden, hätte aber, wie Bürgermeister Roth hierzu betonte, für die Stadt ein Risiko von bis zu 12 Millionen Euro bedeutet. Das Risiko, das sich die Stadt durch ein Gutachterbüro auch hatte beziffern lassen, habe man damals gegenüber der Bevölkerung nicht vertreten können, weswegen von dieser Vorgehensweise wieder Abstand genommen worden sei, so Roth.
Das „Lohfeld“ zum Dritten
Kommentar von Jürgen Dick
Es ist für die Bruchköbeler Bürger zu wünschen, daß die Diskussion um das Lohfeld nunmehr positiv vorankommt. Will man Gewerbe nach Bruchköbel locken, und das ist es, worum es unter dem Strich geht, dann müssen jedoch alle an einem Strang ziehen. Firmen entscheiden nämlich vor allem pragmatisch. Infrastruktur, Abgaben, Lage, Marktanbindung müssen stimmen. Für eine Stadt kommt es darauf an, diese Parameter richtig zu justieren, anstatt Altwäsche durchzumangeln.
Von Seiten der Opposition scheint man jedoch eifrig darum bemüht, dem amtierenden Bürgermeister zunächst einmal nach Kräften dessen angebliches „Versagen“ in der bisherigen Lohfeld-Politik anzukreiden. Das offensichtliche Bestreben von SPD und FDP, die Federführung zunächst an das Parlament beziehungsweise an dessen Bauausschuss zu geben, hätte bedeutet, daß die Verwaltung und damit deren Chef, Bürgermeister Michael Roth, aus der grundlegenden Ideenphase für das Baugebiet weitgehend ausgeschlossen worden wären.
Im Klartext hätte es nämlich bedeutet, daß die von den Bürger-Steuergeldern bezahlten städtischen Bauamt-Fachleute gegenüber den Ehrenamtlichen im Parlament als bloße Bittsteller hätte auftreten dürfen. Bei allem Respekt vor ehrenamtlich tätigen Politikern: Ob so ein Verfahren praktikabel gewesen wäre, muss man dahingestellt sein lassen.
Um es ein wenig überspitzt zu formulieren: Es mag durchaus sein, daß sich Politiker für das Lohfeld zum Beispiel drei Bio-Hightech-Firmen, ein Klimainstitut und einen Streichelzoo als hochwertige Arbeitgeber auszudenken vermögen. Aber für eine Beurteilung dessen, was wirklich geht, braucht es auch Fachleute, die nun mal leider unangenehm trockenes Deutsch sprechen und Raum für pragmatische Beratung haben müssen. Dem politischen Beobachter erscheint es jedenfalls naiv, zu glauben, daß solcherart politisches Kalkül der Opposition, bei der man inzwischen wohl zumindest für die Zeit des Wahlkampfs von einer SPD/FDP-Koalition sprechen kann, alleine dem guten Zweck der erfolgreichen Entwicklung eines Baugebietes hat dienen sollen, und nicht auch dem Wahlkampf gegen Bürgermeister Roth. Als Wahlkampf-Zankapfel aber ist das Lohfeld eigentlich zu schade.
Bruchköbel – Es soll nun erneut ernst werden mit der Erschließung des Gewerbegebietes „Im Lohfeld“, der südlichen Fläche jenseits des Galgengarten-Areals vor dem Viadukt. Daß das Lohfeld wieder in Angriff genommen werden soll, war bereits im Zuge der Beratungen um die regionale Langzeit-Flächenplanung der Stadt abzusehen gewesen, als eben dieses Gebiet für voraussichtliche gewerbliche Nutzung ausgewiesen worden war. Genau dies sieht nun ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vor, der vor allem mit den Stimmen von CDU und Grünen die erforderliche Mehrheit erbracht hat.
Den Antrag hatte die CDU vorgelegt, und er besagt in lapidarem Amtsdeutsch, daß die Stadtverwaltung beauftragt wird, die Voraussetzungen für das Bauplanungsverfahren zu schaffen. Für die FDP präsentierte deren Sprecher Horst Roepenack einen Änderungsantrag. Der war so zu verstehen, daß die Stadtverordnetenversammlung selbst, anstatt der städtischen Gremien, die Zielsetzungen für das Lohfeld erarbeiten solle.
Stadtrat Uwe Ringel bezeichnete dies als „doppelt gemoppelt“, denn was die Stadtverwaltung mit ihren Fachleuten im Bauamt erarbeite, werde dem Parlament ohnehin zur Beschlussfassung vorgelegt. Ehrenamtliche Stadtverordnete könnten überdies die professionelle Arbeit bezahlter Fachleute nicht ersetzen, ergänzten Grünen-Faktionschef Wenzel wie auch Alexander Rabold (CDU).
Grund zur Kritik am CDU-Antrag sah aber auch der SPD-Fraktionsführer Perry von Wittich, der die beiden bisherigen Versuche, das Lohfeld zu erschließen, zum Angriff auf den CDU-Magistrat nutzte. Nicht die Stadtverwaltung, sondern der Bau- und Umweltausschuss des Parlamentes sei der richtige Adressat für den Antrag.
Für die CDU-Fraktion präsentierte sich deren Vizesprecher Alexander Rabold mit offensichtlich gut vorbereiteter Detailkenntnis. In der jüngeren Vergangenheit habe sich die Stadt bereits zwei mal darum bemüht, das Lohfeld zu erschließen, jedoch waren Initiativen in den Jahren 2002 und 2004 wieder abgebrochen worden. Bereits im Jahr 2002 habe eine Planungsgesellschaft einen fix und fertigen Plan entwickelt, der die Ansiedlung eines großen Lebensmittel-Vollsortiment-Marktes, eines Baumarktes und einer Spedition gebracht hätte. Bedenken wegen des Schwerverkehrs, aber auch Ängste wegen der Gefährdung des innerstädtischen Gewerbes hätten die Stadt damals zurückziehen lassen. Im Jahr 2004 wäre es dann beinahe zur Partnerschaft mit einer Gesellschaft gekommen, die das Bauland gekauft und dann Stück für Stück an interessierte Firmen veräußert hätte. Dieses auch als „Bodenbevorratungsmodell“ bezeichnete Verfahren war auf 10 Jahre angesetzt worden, hätte aber, wie Bürgermeister Roth hierzu betonte, für die Stadt ein Risiko von bis zu 12 Millionen Euro bedeutet. Das Risiko, das sich die Stadt durch ein Gutachterbüro auch hatte beziffern lassen, habe man damals gegenüber der Bevölkerung nicht vertreten können, weswegen von dieser Vorgehensweise wieder Abstand genommen worden sei, so Roth.
Das „Lohfeld“ zum Dritten
Kommentar von Jürgen Dick
Es ist für die Bruchköbeler Bürger zu wünschen, daß die Diskussion um das Lohfeld nunmehr positiv vorankommt. Will man Gewerbe nach Bruchköbel locken, und das ist es, worum es unter dem Strich geht, dann müssen jedoch alle an einem Strang ziehen. Firmen entscheiden nämlich vor allem pragmatisch. Infrastruktur, Abgaben, Lage, Marktanbindung müssen stimmen. Für eine Stadt kommt es darauf an, diese Parameter richtig zu justieren, anstatt Altwäsche durchzumangeln.
Von Seiten der Opposition scheint man jedoch eifrig darum bemüht, dem amtierenden Bürgermeister zunächst einmal nach Kräften dessen angebliches „Versagen“ in der bisherigen Lohfeld-Politik anzukreiden. Das offensichtliche Bestreben von SPD und FDP, die Federführung zunächst an das Parlament beziehungsweise an dessen Bauausschuss zu geben, hätte bedeutet, daß die Verwaltung und damit deren Chef, Bürgermeister Michael Roth, aus der grundlegenden Ideenphase für das Baugebiet weitgehend ausgeschlossen worden wären.
Im Klartext hätte es nämlich bedeutet, daß die von den Bürger-Steuergeldern bezahlten städtischen Bauamt-Fachleute gegenüber den Ehrenamtlichen im Parlament als bloße Bittsteller hätte auftreten dürfen. Bei allem Respekt vor ehrenamtlich tätigen Politikern: Ob so ein Verfahren praktikabel gewesen wäre, muss man dahingestellt sein lassen.
Um es ein wenig überspitzt zu formulieren: Es mag durchaus sein, daß sich Politiker für das Lohfeld zum Beispiel drei Bio-Hightech-Firmen, ein Klimainstitut und einen Streichelzoo als hochwertige Arbeitgeber auszudenken vermögen. Aber für eine Beurteilung dessen, was wirklich geht, braucht es auch Fachleute, die nun mal leider unangenehm trockenes Deutsch sprechen und Raum für pragmatische Beratung haben müssen. Dem politischen Beobachter erscheint es jedenfalls naiv, zu glauben, daß solcherart politisches Kalkül der Opposition, bei der man inzwischen wohl zumindest für die Zeit des Wahlkampfs von einer SPD/FDP-Koalition sprechen kann, alleine dem guten Zweck der erfolgreichen Entwicklung eines Baugebietes hat dienen sollen, und nicht auch dem Wahlkampf gegen Bürgermeister Roth. Als Wahlkampf-Zankapfel aber ist das Lohfeld eigentlich zu schade.
kewelforever - 2007/09/10 11:25