Auf Kooperation mit Projektträgern setzen
Leserbrief von Jürgen Dick, veröff. im Hanauer Anzeiger vom 26. Mai 2007:
Dem Leserbrief von Herrn Tittmann aus Bruchköbel kann man folgende Aussage entnehmen: „Eine Bauplanung einem Investor aus monetären Gründen zu überlassen und damit die Gestaltungsform aus der Hand zu geben, kann nicht der Interessenlage der Bürger entsprechen“.
Diese Ansicht, die zu einstigen DDR-Zeiten bereits ihre beste Blüte erreicht und bekanntlich auch überschritten hatte, würde heutzutage viele Städte und Gemeinden um einen Gestaltungsspielraum ärmer machen. Richtig ist sie schon aus dem Grunde nicht, weil die Bauämter per Genehmigungsverfahren stets ein gewichtiges Wort mitreden, die Städte also mitnichten die Oberaufsicht über die „Gestaltungsform“ aus der Hand geben, wenn sie das Bauvorhaben eines Investors beaufsichtigen. Dem Investor geht es da nicht anders als jedem privaten Bauherrn, dessen Architekt seine Ideen mit dem Bauamt abzustimmen hat.
Am Beispiel der Stadt Bruchköbel lässt sich überdies zeigen, daß Kommunen aus der Überlassung von Baugrundstücken an Projektgesellschaften durchaus Vorteile ziehen können. Die Projektierung des Baugebietes „Im Peller“ durch einen solchen Investoren etwa funktionierte unter der Bedingung der kostenfreien Errichtung der Kindertagesstätte Mitte durch eben jenen Investor.
Hinzu kommt, daß das Baugebiet „Im Peller“ am Ostrand Bruchköbels zur optischen Aufwertung des Stadtrandes beigetragen hat. Vorher, von Erlensee her kommend, ist dort nicht viel mehr als eine Jägerzaunreihe zu sehen gewesen, die nicht wirklich einen Eindruck von „Stadtbild“ vermittelt hat - nunmehr fällt der Blick auf ein strukturiertes, modernes Ensemble, an dem bloß zu kritisieren wäre, daß man es mit den Fassadenfarben leider noch ein bisschen zu zaghaft gehalten hat.
Und auch wer sich noch an die früheren Zustände in der Bahnhofstrasse erinnert (man erinnere sich an die alte, jahrelang leerstehende „Massa“-Ruine), müsste eigentlich einsehen, daß neue Baugebiete, die viele Familien mit Kindern angezogen haben, dort eindeutig zur optischen Aufwertung beigetragen haben.
Und übrigens müsste nicht bloß Bruchköbels Bürgermeister Roth, sondern zum Beispiel auch dessen „großer Bruder“, der Hanauer Oberbürgermeister Herr Kaminsky, als „Gutsherr“ gegeiselt werden, jedenfalls, wenn man sich die Vorgehensweise vor Augen führt, die derzeit am Rande von Hanau zur Errichtung des Baugebietes „Coloneo“ führt. Auch hier wurde nämlich „eine Bauplanung einem Investor aus monetären Gründen“ überlassen. Ohne Investoren, die Projekte realisieren und dadurch z.B. mitunter interessanten und erschwinglichen Wohnraum auch für weniger Betuchte schaffen, für Leute also, die sich eine aufwendige, weil individuelle Einfamilienhaus-Bauplanung mit Architekt nicht leisten können, sähe es jedenfalls in mancher deutschen Kommune trübe aus. Nicht umsonst ist die Eigenheim-Besitzquote in Deutschland niedriger als in vielen unserer Nachbarstaaten.
Hinter der schlichten kategorischen Denkart, daß „Investoren“ zu misstrauen ist und „monetäre Gründe“ unmoralisch sind, stecken also letztlich nichts als alte Ressentiments, mit denen sich trefflich Stimmung erzeugen lässt. Stadtparlamente und –verwaltungen moderner Kommunen wären schlecht beraten, wenn sie sich von so erzeugter Stimmung abhängig machen und auf die Zusammenarbeit mit Projektträgern verzichten würden.
(veröff. im Hanauer Anzeiger v.26.5.07)
Dem Leserbrief von Herrn Tittmann aus Bruchköbel kann man folgende Aussage entnehmen: „Eine Bauplanung einem Investor aus monetären Gründen zu überlassen und damit die Gestaltungsform aus der Hand zu geben, kann nicht der Interessenlage der Bürger entsprechen“.
Diese Ansicht, die zu einstigen DDR-Zeiten bereits ihre beste Blüte erreicht und bekanntlich auch überschritten hatte, würde heutzutage viele Städte und Gemeinden um einen Gestaltungsspielraum ärmer machen. Richtig ist sie schon aus dem Grunde nicht, weil die Bauämter per Genehmigungsverfahren stets ein gewichtiges Wort mitreden, die Städte also mitnichten die Oberaufsicht über die „Gestaltungsform“ aus der Hand geben, wenn sie das Bauvorhaben eines Investors beaufsichtigen. Dem Investor geht es da nicht anders als jedem privaten Bauherrn, dessen Architekt seine Ideen mit dem Bauamt abzustimmen hat.
Am Beispiel der Stadt Bruchköbel lässt sich überdies zeigen, daß Kommunen aus der Überlassung von Baugrundstücken an Projektgesellschaften durchaus Vorteile ziehen können. Die Projektierung des Baugebietes „Im Peller“ durch einen solchen Investoren etwa funktionierte unter der Bedingung der kostenfreien Errichtung der Kindertagesstätte Mitte durch eben jenen Investor.
Hinzu kommt, daß das Baugebiet „Im Peller“ am Ostrand Bruchköbels zur optischen Aufwertung des Stadtrandes beigetragen hat. Vorher, von Erlensee her kommend, ist dort nicht viel mehr als eine Jägerzaunreihe zu sehen gewesen, die nicht wirklich einen Eindruck von „Stadtbild“ vermittelt hat - nunmehr fällt der Blick auf ein strukturiertes, modernes Ensemble, an dem bloß zu kritisieren wäre, daß man es mit den Fassadenfarben leider noch ein bisschen zu zaghaft gehalten hat.
Und auch wer sich noch an die früheren Zustände in der Bahnhofstrasse erinnert (man erinnere sich an die alte, jahrelang leerstehende „Massa“-Ruine), müsste eigentlich einsehen, daß neue Baugebiete, die viele Familien mit Kindern angezogen haben, dort eindeutig zur optischen Aufwertung beigetragen haben.
Und übrigens müsste nicht bloß Bruchköbels Bürgermeister Roth, sondern zum Beispiel auch dessen „großer Bruder“, der Hanauer Oberbürgermeister Herr Kaminsky, als „Gutsherr“ gegeiselt werden, jedenfalls, wenn man sich die Vorgehensweise vor Augen führt, die derzeit am Rande von Hanau zur Errichtung des Baugebietes „Coloneo“ führt. Auch hier wurde nämlich „eine Bauplanung einem Investor aus monetären Gründen“ überlassen. Ohne Investoren, die Projekte realisieren und dadurch z.B. mitunter interessanten und erschwinglichen Wohnraum auch für weniger Betuchte schaffen, für Leute also, die sich eine aufwendige, weil individuelle Einfamilienhaus-Bauplanung mit Architekt nicht leisten können, sähe es jedenfalls in mancher deutschen Kommune trübe aus. Nicht umsonst ist die Eigenheim-Besitzquote in Deutschland niedriger als in vielen unserer Nachbarstaaten.
Hinter der schlichten kategorischen Denkart, daß „Investoren“ zu misstrauen ist und „monetäre Gründe“ unmoralisch sind, stecken also letztlich nichts als alte Ressentiments, mit denen sich trefflich Stimmung erzeugen lässt. Stadtparlamente und –verwaltungen moderner Kommunen wären schlecht beraten, wenn sie sich von so erzeugter Stimmung abhängig machen und auf die Zusammenarbeit mit Projektträgern verzichten würden.
(veröff. im Hanauer Anzeiger v.26.5.07)
kewelforever - 2007/05/27 01:25