24
Mai
2007

Für und Wider der verdichteten Bauweise

Neues Wohngebiet Fliederstraße weiter Zankapfel

Bruchköbel - Die Auseinandersetzungen um das Neubaugebiet Fliederstraße gingen auch in den vergangenen Tagen weiter. Wie bereits zu lesen war, hatten sich im März Anwohner des seit 2005 in Planung befindlichen Baugebietes mit massiven Einwänden gegen eine Realisierung des Gebietes in der bislang gefundenen Form zu Wort gemeldet.

Das Baugebiet, dessen Fläche die Vorbesitzer an eine Projektgesellschaft verkauft hatten, soll sich dicht an das Wohngebiet anfügen, die Zufahrt ist dann über die Fliederstraße gegeben. Insbesondere die geplante, relativ dichte Bebauung, mit Doppelhaushälften in Massivbauweise auf kleinen Grundstücken, stößt auf den Unwillen einiger Anwohner im Rosenring.

Die Positionen sind, so scheint es, unvereinbar, auch wenn noch im Rahmen der zweiten Offenlage Einsprüche und Bedenken möglich sind und für den Abschluss der Planung in Betracht gezogen werden müssen. Das Baugebiet soll aus kleinen Grundstücksparzellen bestehen, die wahrscheinlich auch für weniger Begüterte, für junge „Starter“-Familien etwa, den Weg ins erste eigene Haus bedeuten können. Das Argument der Anrainer, daß diese Konzeption nicht zu der bisherigen Bebauung im Stil des relativ locker bebauten Rosenringviertels passe, bildet den eigentlichen Kern des Konflikts.

Die Gegner bezeichneten das Baugebiet bereits als „Krebsgeschwür“ und möchten demgegenüber lieber ein weniger eng bebautes Gebiet anschließen. Das würde aber bedeuten, daß sich die Vermarktung für den Investor wohl kaum lohnen würde. Relativ große Grundstücke würden darüber hinaus zahlungskräftigere Käufer erfordern. Bürgermeister Michael Roth zeigte Verständnis für die Anrainer, betonte allerdings, daß einige der vorgebrachten Gründe gegen das Baugebiet übertrieben seien. Daß etwa die Umwandlung eines Teils eines Fussweges in eine verkehrsberuhigte Straße ein Problem für Schüler darstelle, vermochte er nicht zu erkennen. „Dann müssten wir in weiten Teilen der Stadt, wo ja oft wesentlich mehr Verkehr herrscht, die Straßen für Schüler sperren“, so Roth.

Im Rahmen der Planung seien überdies bereits viele Einzelvorschläge der betroffenen Bürger umgesetzt worden. Ursprünglich habe der Investor eine Reihenhaussiedlung geplant, die Stadt hatte diese Planung jedoch in eine augenfreundlichere Doppelhaussiedlung umgewandelt. Und Grundstücke, die direkt an einige Grundstücke im Rosenring angrenzen, seien darüber hinaus auf Einzelhausbebauung reduziert worden. Roth betonte, daß die Stadt auch in Zukunft wieder überwiegend Baugebiete für Einzelbauweise ausweisen werde. Allerdings müsse auch Platz für Investorenkonzepte sein, deren Angebote eben auch für weniger Begüterte interessant seien. Dies lasse sich auch im Zusammenhang mit dem durch das Stadtparlament verabschiedeten Leitbild der Stadt sehen, wo davon ausgegangen wird, daß sich Bruchköbel angesichts der allgemeinen demographischen Entwicklung um den Zuzug jüngerer, familiengründungswilliger Menschen bemühen muss.

In den Streit haben sich erwartungsgemäß auch die Parteien eingeschaltet. Die SPD, und hier namentlich deren Bürgermeisterkandidat und damit Konkurrent Roths für die Wahl im Herbst, Perry von Wittich, stellte sich demonstrativ hinter eine angeblich vorliegende alternative Planung der Kritiker aus dem Rosenring und betonte, daß seine Partei der Bebauung des Fliederstraßengebietes seinerzeit nicht zugestimmt habe. Das entbindet zwar den Bürgermeister als Chef der umsetzenden Behörde nicht davon, den seinerzeitigen Mehrheitsbeschluss umzusetzen, jedoch erhebt man den Vorwurf einer „mangelnden Kritikfähigkeit“ Roths.

Außerdem deutet sich an, daß die SPD erst eine Verkehrsplanung für die Stadt verabschiedet sehen will, bevor man überhaupt weiteren Baugebieten zustimmen will.

Die Grünen, Koalitionspartner der CDU, verweisen darauf, daß das Baugebiet noch zu CDU-Zeiten geplant sei und können sich insoweit aus der Affäre wähnen. „Alle zuvor demokratisch gefällten Entscheidungen rückgängig zu machen“, so die Fraktion in einer Stellungnahme, sei „unrealistisch“. Das Planen eines Baugebietes sei auch „keine Gewissensentscheidung, sondern eine Sache die weitestgehend von den Fachleuten in Bau- und Verkehrsabteilung durchgeführt wird“.

An einer anderen Stelle im Rosenring halten sich übrigens die Proteste bislang in Grenzen. Ein wenig genutzter Fussweg, der entlang der Gärten der Häuser im Rosenring zur Hammersbacher Strasse führt, wird wahrscheinlich, da kaum genutzt, eliminiert. Die Parzellen werden derzeit den Anwohnern zum Kauf angeboten.

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Auszüge aus Leserbriefen und Mitteilungen zum Thema „Fliederstraße“:

Frank Breitenbach, Bruchköbel (parteiloser Kandidat zur Bürgermeisterwahl): Der neu im Wahljahr des Bürgermeisters eingeführte „Bürgermeisterbrief“ befasst sich Herr Roth mit Bebauungsplänen und an deren Bürgerbeteiligung. Hierzu nimmt er wie folgt Stellung: „Auch Träger öffentlicher Belange und sonst möglicherweise betroffene Bürger erhalten die Möglichkeit, ihre Meinungen oder Änderungswünsche einzubringen.“ Mit der Aussage des Magistrats (in der gleichen Ausgabe des BK), werden die Einwände der Anwohner des Rosenringes, „Sie versuchen mit Unterschriftenlisten und Themen, die allgemeine Betroffenheit erzeugen, ein öffentliches Interesse vorzugeben.“ als falsche Eindrücke erweckt. Der vorhandene Schulweg soll (so der Magistrat) nicht dem Baugebiet geopfert werden, sondern zum verkehrsberuhigten Bereich als attraktiven Fußweg erhalten bleiben. Da frage ich mich, warum die Sorgen der Anwohner, welche auch nun ein breiteres Interesse der Bürger erweckt hat, so falsch sein soll!

B90/Grüne Bruchköbel, Uwe Ringel u.a.: Dass man, wenn man versucht für eine Stadt politische Arbeit zu leisten im Glashaus sitzt, müssen wohl die Mandatsträger und alle Stadtverordnete, die im Übrigen ehrenamtlich und ohne daraus persönliche Vorteile zu ziehen Arbeit leisten,wohl ertragen, aber es ist dennoch unerträglich, wenn man von Herrn Halm aus persönlichen Motiven und um persönliche Ziele zu erreichen, aus dem Zusammenhang heraus falsch zitiert wird und damit versucht wird den Eindruck mangelnder Gewissenhaftigkeit zu erwecken. Das Baugebiet Fliederstraße war bereits vor der letzten Wahl so weit gediehen, dass eine Streichung dieses Baugebietes oder eine völlige Umgestaltung in den Kooperationsverhandlungen mit der CDU keine Rolle spielen konnte. Die gegenüber Herrn Halm geäußerte Skepsis gegenüber dem Baugebiet Fliederstraße bezog sich darauf, dass die Grünen in Bruchköbel ganz allgemein keine Freunde der Investorenbebauung waren und sind. Gerade deshalb hat an dieser Stelle auch der 1. Stadtrat den intensiven Kontakt mit den betroffenen Bürgern gesucht und im persönlichen Dialog sich um größtmöglichen Konsens bemüht. Alle zuvor demokratisch gefällten Entscheidungen rückgängig zu machen ist unrealistisch und der Sache nicht dienlich.

Mitteilung der SPD Bruchköbel: „Wenn Herr Roth auf Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung verweist, will er der Öffentlichkeit vormachen, alle Fraktionen hätten dem zugestimmt. Diese Darstellung weist die SPD aufs Schärfste zurück“, so deren Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat Perry von Wittich. „Die Vorlagen für die Baugebiete „Kuhweg“ und „Westlich der Fliederstasse“ kamen aus der Verwaltung, dem Verantwortungsbereich des Bürgermeisters. Wir haben beiden Vorlagen unsere Zustimmung verweigert“. (...) Die SPD war von Beginn an gegen eine Erschließung der Gebiete und bemängelt seit Jahren eine fehlende Verkehrsplanung für die Stadt, die sie auch hier nicht gegeben sieht. „Es wird hier ein bisschen gebaut, dann da noch ein bisschen und dann schauen wir mal, wie wir mit den auftretenden Problemen zurecht kommen“, kritisiert die stellvertretende Fraktionschefin Christine Empter. Auch im Vorentwurf des Regionalen Flächennutzungsplanes seien zwar weitere Baugebiete, aber ausdrücklich keine Änderungen im Verkehrsnetz vorgesehen.

(ersch. im "Bruchköbeler Kurier" vom 24.5.07)

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