26
Apr
2012

Die Neue Mitte bewegt die Gemüter

Charme-Offensive der Stadt
Von Jürgen Dick

Bruchköbel – Die Aktivitäten um die „Neue Mitte“ nehmen an Fahrt auf. Das Projekt wird nach dem Willen der Stadtverwaltung und CDU/Grünen als sogenannte Investorenlösung konzipiert. Die Stadt will sich eigene Investitionen sparen und die notwendigen Rathausräume in den neuen Gebäuden anmieten. Im Internet kann man inzwischen die Ausschreibung für das Projekt aufrufen. Die Frage, ob die Stadt lieber selbst investieren soll, bildet einen Zankapfel in der Politik und auch unter Bürgern. Um genau bewerten zu können, welche Lösung die Stadt günstiger kommen würde, wären präzise Kalkulationen nötig. Diese liegen aber nicht vor, und so bleibt Raum für das muntere Spekulieren.-


CDU und Grüne betonen, dass es bei der chronisch angespannten Haushaltslage der Stadt überhaupt nur über das Anwerben eines Investors möglich sei, das Projekt umzusetzen. Am Ende wird demnach der Investor es sein, der die „Neue Mitte“ aufbauen und vermieten wird. Dessen Auswahl will somit gut vorbereitet sein – daher wird ein Wettbewerbsverfahren veranstaltet. Aus der Bevölkerung wurden dazu Bürger ernannt, die in der „Arbeitsgemeinschaft Neue Mitte“ den Auswahlprozess beratend begleiten sollen. Und am 15. Mai soll eine Bürgerversammlung im Rathaus stattfinden.-


Betrachtet man das Projekt „Neue Mitte“ im Kontext der langjährigen Stadtentwicklung, dann kann man aber auch feststellen: So neu und einzigartig ist das Vorhaben gar nicht. Der Platz um das neue, seit kurzem für den Abriss befundene Rathaus war vor rund vier Jahrzehnten schon einmal „Neue Mitte“. Teile des Areals befanden sich damals noch im Privatbesitz. Im Zuge der Umgestaltung des Stadtkerns zogen ansässige Kernstadtlandwirte nach außerhalb Bruchköbels. Der damalige Bau des neuen Rathauses, des Seniorenzentrums, des Ärztezentrums und des Hochhauses mit dem Supermarkt war auch schon damals ein Projekt größeren Kalibers. Und in den folgenden Jahrzehnten wurden weitere erfolgreiche Großbauvorhaben von ähnlicher Größenordnung durchgeführt: Die beiden Geschäftszentren in Rathausnähe, der Postkomplex, das Altstadt-Center und die „Galleria“ am Viadukt waren Bauprojekte, die sich durchaus mit dem Volumen der „Neuen Mitte“ vergleichen lassen. Nennenswerte Einsprüche von Bürgerseite hatte es gegen diese Projekte nicht gegeben. Der Unterschied zu damals: Die jetzt zu planende „Neue Mitte“ ist (auch) ein politisches Prestigeprojekt für CDU und Grüne. Immerhin soll dafür das Neue Rathaus abgerissen werden – seinerzeit ein modernes Vorhaben unter SPD-Ägide. Auch dieser Umstand macht den politischen Streit teilweise verständlich.-


Die CDU-Grüne Stadtspitze ist inzwischen darum bemüht, das Projekt „Neue Mitte“ mit einer Art Charmeoffensive populär zu machen. Der Einsatz der Stadtmarketing GmbH und die Bürgerbeteiligung haben hierin eine Schlüsselfunktion. Und so wird derzeit heftig um die oft beschworene „Lufthoheit über den Stammtischen“ gekämpft – Werbung, Prospekte, Versammlungen, eine Homepage kommen zum Einsatz. Die städtische „AG Neue Mitte“ ist aber übrigens nicht der einzige Kreis, der zum Thema tagt. Im Internet wird bereits ebenfalls Öffentlichkeit hergestellt. Dort ist auf Facebook gerade eine „Neue Mitte“-Gruppe installiert worden, die bereits rege frequentiert wird. Desgleichen gibt es eine Gruppe im Portal „wer-kennt-wen.de“. Und unter der Adresse neue-mitte-bruchkoebel.de bietet FDP-Frau Sylvia Braun ein eigenes Infoportal an; die Stadt wiederum hält für Interessierte die Adresse neuemitte-bruchkoebel.de bereit.

(Archivtext. Veröffentlicht im "Bruchköbeler Kurier" vom 26.4.2012. Hier gegenüber Print geringfügig erweitert.)

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